Jahresr├╝ckblick 2018

Viel Licht, aber auch Schatten
Ein Jahresr├╝ckblick auf unsere Vereinsarbeit

Viel Licht !

Wenn man bedenkt, dass unser Verein erst vor 2┬Ż Jahren gegr├╝ndet wurde und wir unsere R├Ąume erst vor 1┬Ż Jahren in Betrieb genommen haben, so kann sich die Bilanz des Jahres 2018 sehr gut sehen lassen:

  • Im Jahr 2018 haben mehr als 6.400 Menschen an 291 Terminen die Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz besucht ÔÇô im Mittel also 22 Personen pro Veranstaltung, von kleinen Arbeitsgruppen mit 5-6 Personen bis hin zu mit 180 Menschen ├╝berf├╝llten R├Ąumen. 158 Veranstaltungen (54 %) fanden in Eigenregie statt, 53 (18 %) waren Kooperationsprojekte (die Federf├╝hrung lag bei anderen Organisationen, wir waren Partner) und 80 (28 %) waren eigenst├Ąndige Veranstaltungen Dritter und wir die Vermieter. Dank insbesondere an Lucy Winkler und Manfred Hinz f├╝r deren unerm├╝dliche Arbeit beim Raum- und Veranstaltungsmanagement! Und ein Dank an alle Mieter und Projektpartner, ins-besondere auch an die Kulturverwaltung der Stadt f├╝r die sehr gute Zusammenarbeit! Lucy hat ihre T├Ątigkeit zu Ende 2018 beendet und wir m├╝ssen sehen, wie es mit dem ÔÇ×Kultur-EventmanagementÔÇť weitergeht (Tina Stolz hat kurzfristig eine Stelle an einer Schule bekommen und f├Ąllt f├╝r diese Funktion aus.)
  • Beim Projekt ihmezentrum#2025 wurden bei sieben Veranstaltungen mit ├╝berregional kompetenten Referent*innen und einem Wettbewerb von Architekturstudent*innen eine Vielzahl von faszi-nierenden Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum bis zum Jahr 2025 nachhaltig revitalisiert werden und es zu einem Leuchtturm einer Europ├Ąischen Kulturhauptstadt Hannover werden k├Ânnte. Dank insbesondere an die Kulturverwaltung f├╝r die finanzielle Unterst├╝tzung, an Costa Alexander f├╝r die Konzeptentwicklung und Mittelakquise und an ihn und Gerd Runge f├╝r die Koordination der Veranstaltungen und die Redaktion der Dokumentation BrutalSch├Ân.
  • Erfolgreich war auch das Projekt ÔÇ×Probebetrieb eines Soziokulturellen ZentrumsÔÇť, bei dem wir mit finanzieller Unterst├╝tzung der Region Hannover (aus Landesmitteln), des Bezirksrates Linden/┬şLimmer und der Sparkasse Hannover bei ca. 20 Veranstaltungen ausprobieren konnten, welche Formate sich f├╝r uns besonders eignen und wie wir die soziokulturelle Arbeit in den n├Ąchsten Jahren weiterentwickeln. Dank an die Region Hannover, die Sparkasse und den Bezirksrat f├╝r die finanzielle Unterst├╝tzung und insbesondere an Jan-Philippe L├╝cke f├╝r dessen gro├čen Einsatz bei diesem Projekt.
  • Mit 21.700┬áÔéČ Baukosten konnten wir unsere R├Ąume endlich v├Âllig barrierefrei herrichten, in dem jetzt auch eine behindertengerechte Toilette vorhanden ist. Dank an das Nds. Ministerium f├╝r Wissenschaft und Kunst f├╝r 14.200┬áÔéČ Zuschuss, an den Architekten Ekkehard St├╝ckemann, der sich eh-renamtlich engagiert hat und an die Mitglieder unserer Raum-AG.
  • Au├čerdem konnten wir f├╝r ca. 4.000┬áÔéČ weitere Anschaffungen machen (Tische, Bilderrahmen f├╝r Ausstellungen, usw.).
  • Trotz der erheblichen Investitionen schlie├čt der Finanzhaushalt 2018 des Vereins bei ca. 75.000 ÔéČ Jahresumsatz (und ca. 360 Buchungen in der Buchhaltung) mit einem (geringen) Plus ab.
  • Die Klageandrohung der Wohnungseigent├╝mergemeinschaft, dass wir unsere R├Ąume nicht f├╝r Veranstaltungen
    nutzen d├╝rfen, wird von der WEG nicht weiterverfolgt.
  • Wir haben jetzt einen eigenen Internetauftritt www.ihmezentrum.info, in dem kontinuierlich ├╝ber
    die Aktivit├Ąten des Vereins und unsere Veranstaltungen berichtet wird. Dank an die Kommunikations-
    AG f├╝r die Arbeit. Dadurch sind wir vom Auftritt www.ihmezentrum.org unabh├Ąngig. (Constantin
    Alexander hat die Betreuung f├╝r diesen Netzauftritt inzwischen an eine andere Person abgegeben.)
  • Unsere Arbeit hat in den n├Ąchsten Jahren eine sichere Basisfinanzierung. Da es in 2019 nicht wieder
    so hohe F├Ârderungen von speziellen Projekten geben wird, hat eine besondere Bedeutung, dass der
    Rat der Landeshauptstadt vor kurzem beschlossen hat, uns zuk├╝nftig statt mit den bisherigen 8.000┬áÔéČ
    Projektzuschuss j├Ąhrlich mit 15.000┬áÔéČ ÔÇ×institutionellÔÇť zu f├Ârdern. Dank an die Mehrheitsfraktionen
    GR├ťNE, SPD und FDP f├╝r diesen ├änderungsantrag zum von der Verwaltung vorgelegten Haushaltsentwurf
    2019/┬ş2020 und die dadurch zum Ausdruck kommende Anerkennung unserer Arbeit.
  • Wir sind Kooperationspartner der ÔÇ×Gesellschaft f├╝r Au├čergew├Âhnliche ZusammenarbeitÔÇť, die beim
    Wettbewerb des Bundesbauministeriums ÔÇ×Neue Wege der QuartiersentwicklungÔÇť f├╝r die n├Ąchsten
    drei Jahre Finanzmittel f├╝r eine ÔÇ×Stadtentwicklung von UntenÔÇť erhalten hat. Mehr Infos dazu hier.
  • Auch wenn das nicht Erfolg unserer Arbeit ist, so wollen wir hier positiv w├╝rdigen, dass die Stadt
    Hannover mit den Rahmenvereinbarungen zu ihrer 20-Jahres-Mietvertragverl├Ąngerung f├╝r die B├╝ronutzung
    einen wichtigen Impuls gegeben hat, dass es im Ihme-Zentrum ├╝berhaupt weitergeht.
  • Mit ca. 20 ehrenamtlich Aktiven haben wir im Verh├Ąltnis zu Vereinen eine recht gute Beteiligungsquote.

Aber es gibt auch Schatten!

Die Sanierung des Ihme-Zentrums ist in 2018 baulich keinen Schritt weitergekommen, und wir haben den Eindruck, dass der Gro├čeigent├╝mer INTOWN immer nur das Mindestnotwendige macht. INTOWN und das Baudezernat der Stadt ignorierten unseren Verein in 2018 vollst├Ąndig. Keiner unserer Briefe wurde beantwortet und keine Anregung positiv aufgenommen. Das vor mehr als einem Jahr in Auftrag gegebene Gutachten u.a. zu den st├Ądtebaurechtlichen M├Âglichkeiten die Revitalisierung der Sockelgeschosse des Zentrums voranzubringen, wird von der Stadtverwaltung geheimgehalten.

Die wichtige ├Âffentliche Wegeverbindung durch das Zentrum, f├╝r die 3,0 Mio. ÔéČ F├Ârdergelder zur Verf├╝gung stehen, kommt nicht voran und in der von OB Schostok gro├č angek├╝ndigten B├╝rgerbeteiligung wurden bisher keinerlei Fakten geliefert. Es besteht die Gefahr, dass das Projekt scheitert.

Wir erreichen noch zu wenig Menschen im Ihme-Zentrum. Zwar sind fast 30 Bewohner*innen Mitglied im Verein, doch die vielen Veranstaltungen, die wir machen, erreichen zwar viele Einwohner*innen aus der Stadt, doch zu wenig im Zentrum wohnende Menschen. Der w├Âchentliche Bewohnertreff wird daher eingestellt und in 2019 versuchen wir neue Formate, um mehr Bewohner*innen zu erreichen. Wegen Wegzug von Hannover, anderen Arbeitsschwerpunkten und nach einer Auseinandersetzung, ob auch Makler Mitglied in unserem Verein werden k├Ânnen (eine gro├če Mehrheit sprach sich auf einer Mitgliederversammlung daf├╝r aus) haben in 2018 acht Mitglieder den Verein verlassen. F├╝nf sind im gleichen Zeitraum neu eingetreten, sodass der Verein jetzt 83 Mitglieder hat.

Wir brauchen mehr Aktive! Insbesondere die Kommunikations-AG und die Bewohner-AG brauchen dringend Verst├Ąrkung. Und wenn man bedenkt, dass ca. 20 Kulturschaffende und -interessierte Mitglieder in unserem Verein sind, so ist die Beteiligung an der Kultur-AG auch recht mager. Also: Macht mit!

Abschlie├čend einen herzlichen Dank an alle Mitglieder, Firmensponsoren, Kooperationspartner, die Hausverwaltung,
die Rats- und Bezirksratsmitglieder und die Stadtverwaltungsmitarbeiter*innen, die uns wohl gesonnen sind, f├╝r ihre Unterst├╝tzung!!!!!!

Mit herzlichen Gr├╝├čen und allen guten W├╝nschen f├╝r das Jahr 2019
der Vereinsvorstand

Stillstand im Ihme-Zentrum ÔÇô Zukunftswerkstatt zieht Jahresbilanz

Vor weit ├╝ber einem Jahr freute sich die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit Oberb├╝rgermeister und Rat der Landeshauptstadt ├╝ber die 2 Mio. ÔéČ F├Ârdergelder des Bundesbauministeriums f├╝r das Ihme-Zentrum und der Rat stockte die Mittel um 1 Mio. ÔéČ auf. Die F├Ârdergelder sollten f├╝r f├╝nf Bausteine ausgegeben werden, um Schwung in die Revitalisierung des Ihme-Zentrums zu bringen.
Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. zieht jetzt eine ern├╝chternde Bilanz der bisherigen Aktivit├Ąten der
st├Ądtischen Bauverwaltung in dieser Angelegenheit. Au├čerdem bieten die sichtbaren Aktivit├Ąten von Gro├čeigent├╝mer Intown aus Sicht des Vereins wenig Anlass zu Optimismus. Die Bilanz der Zukunftswerkstatt im Einzelnen:

Aufgrund der komplizierten Eigentumsverh├Ąltnisse im Ihme-Zentrum ist ein transparenter Kommunikationsprozess
von zentraler Bedeutung f├╝r Verbesserungen. Eigent├╝mer, Mieter, Anwohner und Stadtteil├Âffentlichkeit m├╝ssen einbezogen werden. Nach ├╝ber einem Jahr ist weder f├╝r die interne noch externe Kommunikation ein Konzept erkennbar. S├Ąmtliche Kooperationsangebote der Zukunftswerkstatt im Jahr 2018 wurden von der Bauverwaltung der Landeshauptstadt nicht beantwortet. Deshalb kursieren weiter nur Fragen und Mutma├čungen ├╝ber den Stand der Umsetzung der Bestandteile der F├Ârderung:

  • Wie weit ist die Planung der Bauma├čnahmen f├╝r einen ├Âffentlichen Fu├č- und Fahrradweg zwischen
    Linden-Mitte und der Calenberger Neustadt? Diese Durchwegung wurde zum Tag der St├Ądtebauf├Ârderung
    am 05.05.2018, also vor mehr als einem halben Jahr, vom Oberb├╝rgermeister breit vorgestellt.
    Doch noch heute sind alle konkreten Fragen unbeantwortet: Wer wird Bauherr? ├ťbernimmt die Stadt das
    Baukostenrisiko und die Betriebskosten? Wann ist Baubeginn und wann soll die Ma├čnahme abgeschlossen sein, damit die F├Ârdergelder des Bundes nicht verfallen?
  • Bestandteil der F├Ârderung ist ein Rechtsgutachten, das geeignete Ansatzpunkte im Wohnungseigentumsrecht,
    im St├Ądtebaurecht und Ordnungsrecht im Rahmen der bestehenden sehr komplizierten Eigentumsverh├Ąltnisse
    und f├╝r eine Neuordnung der Eigentumsstruktur aufzeigen sollte.
    Gerd Runge, Vorstandsmitglied des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum und Architekt: ÔÇ×Welche
    Ergebnisse hat das schon vor mehr als einem Jahr von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten gebracht? Das soeben ergangene Urteil des OLG Celle, bei dem ein einzelner Wohnungseigent├╝mer des Bredero-Hochhaus Umbauarbeiten gestoppt hat, zeigt deutlich, dass es dringend erforderlich ist, auch st├Ądtebaurechtliche Ma├čnahmen zu pr├╝fen, damit nicht ein einzelner der 530 Wohnungseigent├╝mer die Revitalisierung des Ihme-Zentrums blockieren kann.ÔÇť
  • Bestandteil der Bundesf├Ârderung ist au├čerdem, zus├Ątzliche R├Ąume f├╝r soziokulturelle Zwecke im Ihme-Zentrum bereitzustellen. Das k├Ânnte ein erster Baustein daf├╝r sein, das Ihme-Zentrum als Leuchtturm beim Projekt Europ├Ąische Kulturhauptstadt einzubauen. Welches Konzept hat die Stadt f├╝r die soziokulturellen R├Ąume? Wo sollen sie geschaffen werden und wer wird Betreiber?
    Gerd Runge fasst zusammen: ÔÇ×Alle Versprechen der Stadtverwaltung, die Sanierung des Ihme-Zentrums
    mit dem n├Âtigen Nachdruck voranzutreiben, werden bisher nicht eingel├Âst. Die Bundesbauministeriumsmittel
    sind an Terminvorgaben gekn├╝pft und die Mittel verfallen, wenn die Zeitpl├Ąne nicht eingehalten
    werden.ÔÇť

Au├čerdem bieten die sichtbaren Aktivit├Ąten von Gro├čeigent├╝mer Intown wenig Anlass zu Optimismus und Intown verweigert zudem alle Informationen und Kooperationsangebote der Zukunftswerkstatt:

  • Seit Januar 2018 liegt die Baugenehmigung vor und somit sind seit fast einem Jahr umsetzungsreife
    Unterlagen f├╝r die Fassadensanierung vorhanden. Au├čer zwei seit Monaten ungenutzten Bauger├╝sten ist
    jedoch nichts passiert. Die aus Vereinsmitgliedern bestehende GmbH, die Eigent├╝merin eines weitgehend vollst├Ąndigen Satzes der Statikakten des Ihme-Zentrums (ca. 200 Aktenordner) ist, hat Intown angeboten, diese f├╝r die Sanierungsplanung zur Verf├╝gung zu stellen. Obwohl das beauftragte Planungsb├╝ro gro├čes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundete, da sich dadurch der Planungsaufwand relevant verringern w├╝rde, gab es von Intown keinerlei Reaktion auf dieses Hilfsangebot.
    Helmut Drewes, Gesch├Ąftsf├╝hrer der GmbH und selber Statiker: ÔÇ×Das macht den Eindruck, dass Intown
    ├╝ber kosmetische Eingriffe an der Fassade entlang der Blumenauer Stra├če hinaus gar keine Pl├Ąne hat,
    die Sockelgeschosse des Ihme-Zentrums vollst├Ąndig zu sanieren.ÔÇť
  • Die Zukunftswerkstatt hat im Rahmen eines Projektes #ihmezentrum2025 u.a. in einem aufw├Ąndigen Wettbewerb mit Architekturstudenten umfangreiche Konzepte zur Revitalisierung des Ihme-Zentrums erarbeitet und ver├Âffentlicht. Weder Intown noch der Stadtbaurat haben auf die ihnen zugesandten Unterlagen mit einem einzigen Wort reagiert.

Zusammenfassend der Vereinsvorsitzende Detlef Reuleke: ÔÇ×Der Gro├čeigent├╝mer Intown muss endlich konkrete Planungen zum Abbau des Sanierungsstaus im Ihme-Zentrum liefern. Wir haben den Eindruck, dass Intown immer nur so viel macht wie zwingend notwendig und ansonsten nur maximale Rendite aus dem Objekt herauszieht.ÔÇť

Barrierefrei!

Der Umbau unserer Sanit├Ąrr├Ąume ist abgeschlossen. Nun haben wir endlich eine barrierefreie Toilette. Zusammen mit einer verbesserten Rampe sind unsere R├Ąume f├╝r Menschen mit Bewegungseinschr├Ąnkungen nun deutlich besser nutzbar.

M├Âglich gemacht wird dies im Wesentlichen durch einen Zuschuss vom Nieders├Ąchsischen Ministerium f├╝r Wissenschaft und Kultur.

Workshop: Energiekonzepte im Ihme-Zentrum

Das Ihme-Zentrum verbraucht mehr Energie als es m├╝sste – beispielsweise durch schlechte D├Ąmmung oder veralterte Haustechnik. Es gibt also Optimierungspotenzial. Am 25. April haben Interessierte gemeinsam mit Experten in einem Workshop Konzepte erarbeitet, das Ihme-Zentrum energetisch zu verbessern. In Referaten von Gerd Runge und Stefanie van Heeren ging es beispielsweise um die Ist-Situation der Geb├Ąudeh├╝lle und der Geb├Ąudetechnik. In einer Disskussionsrunde wurde von Matthias Wohlfahrt (proKlima) angeregt, ein “Leuchtturmprojekt”im Ihmezentrum zu suchen, an dem das Energiekonzept erstellt und umgesetzt werden soll. Das wollen Bewohnerinnen und Bewohner des Ihme-Zentrums nun gemeinsam mit Experten in der Ihmepassage 4 in die Tat umsetzen, wo es zw├Âlf gewerbliche Einheiten und zwei Wohnungen gibt. Ein Workshop mit tollen Ergebnissen!

Die Veranstaltung war Teil der Veranstaltungsreihe #ihmezentrum2025 in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover und der Leibniz-Universit├Ąt Hannover.

Neue Nutzungen – Diskussionspapier

Die Arbeitsgruppe Planung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. macht sich Gedanken zu verschiedenen planerischen Aspekten des Ihme-Zentrums und seiner Einbindung in die Stadt.
Hier:

Neue Nutzungen

Das Ihme-Zentrum wurde als eine multifunktionale, hoch verdichtete Komplexbebauung errichtet. Wohnen, Dienstleistung, Einzelhandel, Gesundheit, Kultur und Freizeit sowie ├Âffentliche Einrichtungen wurden in enge Nachbarschaft gebracht. Der ganze Tagesablauf kann mit extrem kurzen Wegen bew├Ąltigt werden. Dies ist auch heute noch eine der gro├čen Qualit├Ąten des Ihme-Zentrums. Diese Qualit├Ąt soll weiterentwickelt werden. Neue Nutzungen m├╝ssen haupts├Ąchlich f├╝r die Fl├Ąchen des nicht funktionierenden Einkaufszentrums im Sockel gefunden werden.

 

Produktive Stadt

Die Produktion als Nutzung wurde aufgrund der damals erheblichen Emissionen als Funktion ausgelagert. Durch verbesserte Bautechnik und die Digitalisierung entstehen inzwischen neue Produktionstechniken, die leiser, platzsparender und umweltfreundlicher sind. Deshalb kann diese Produktion in die Stadt zur├╝ckkehren. Produzierende Gewerbeh├Âfe profitieren von ihrem Standort im Stadtteil. Die Gr├╝nderszene, die r├Ąumliche wie soziale N├Ąhe zu Forschungs- und Bildungseinrichtungen, der gute Zugang zu qualifiziertem Personal, kurze Wege und die N├Ąhe zu den eigenen Absatzm├Ąrkten haben in anderen St├Ądten bereits neue Stadtfabriken entstehen lassen. Der 6-8 m hohe Sockel zwischen K├╝chengarten und Gartenallee bietet f├╝r diese Nutzung ideale Voraussetzungen.

Kreativ- und Kulturetage

Die aufgrund ihrer Lage- und Belichtungsm├Âglichkeit schwer nutzbare Fl├Ąchen der ehemaligen Saturn-Verkaufsfl├Ąchen k├Ânnen dringend ben├Âtigten Ateliers und Co-Working-Spaces Platz bieten.

Neue Wohnnutzungen

Die leerstehenden B├╝roetagen in den Obergeschossen entlang der Blumenauer Stra├če eignen sich f├╝r ca. 100 ebenfalls dringend ben├Âtigte, innerst├Ądtische, barrierefreie Wohnungen.

Einzelhandel

Einzelhandelsfl├Ąchen werden sich in geringerem Umfang entlang der neuen Wegeverbindungen K├╝chengarten und Gartenallee f├╝r den ├Ârtlichen Bedarf ansiedeln lassen. Hier sollen Supermarktfl├Ąchen mit begleitenden L├Ąden (B├Ąckerei, Fleischerei etc.) vorgesehen werden.

Bestehende B├╝ro- und Wohnnutzungen in den Obergeschossen

Diese Nutzungen in den Obergeschossen funktionieren und sollen nicht ge├Ąndert werden. Die Fl├Ąchen der ehemaligen Einkaufszentrumspassage sollen als halb├Âffentliche Fl├Ąche oder Wohnhof diesen Nutzungen zugeordnet werden.

Studentenwohnheim und Fitness

Ausgehend vom ebenfalls gut nachgefragten Studentenwohnheim k├Ânnten ggf. in Zusammenarbeit mit dem Bereich Sport der Leibniz-Universit├Ąt verst├Ąrkt Fitness- und Wassersportangebote angesiedelt werden.

Die AG Architektur und Stadtplanung bereitet Workshops und eine Seminar mit der Leibniz-Universit├Ąt vor, um konkretere Vorschl├Ąge f├╝r die Sockelnutzung als Produktive Stadt und andere neue Nutzungen zu entwickeln.

 

Eigentum und Recht

Die Arbeitsgruppe Architektur und Stadtplanung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum (kurz: AG Planung) sieht in der un├╝bersichtlichen Eigentumsstruktur die Hauptursache f├╝r Stagnation und Verfall des Ihme-Zentrums. Dringend notwendige Instandhaltungs- und Modernisierungsinvestitionen werden seit Jahren nicht ausgef├╝hrt. Die Haustechnik ist so ├╝beraltert, dass f├╝r Leitungssch├Ąden kein ├╝blicher Versicherungsschutz besteht. Undichte D├Ącher gef├Ąhrden die Bausubstanz.
Die seit 1971 fortgeschriebene Beschlusssammlung zur Gemeinschaftsordnung umfasst mehrere hundert Seiten. Das Einkaufszentrum ist immer noch die Gesch├Ąftsgrundlage der Betriebskostenverteilung, obwohl es l├Ąngst verwaist ist.
Erhebliche Eingriffe in das Gemeinschaftseigentum von 2007 blieben in der Teilungserkl├Ąrung bislang unber├╝cksichtigt.
Dies bietet Anlass f├╝r zahlreiche rechtliche Auseinandersetzungen, die allesamt nur Verschiebungen in den Kostenverteilungen zum Ziel haben. Sie entwickeln keine L├Âsungsperspektive, weil die Strukturprobleme und die damit einhergehende gegenseitige L├Ąhmung nicht behoben wird. Der Versuch der Landesbank Berlin, die Eigentumsstruktur privatrechtlich zu reformieren, ist an der fehlenden Zustimmung einzelner Eigent├╝mer gescheitert.
Ein Vorschlag der AG Planung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum ist die ├Âffentliche Widmung des Wege- und Erschlie├čungssystems im Ihme-Zentrum. Dadurch werden einzelne Eigent├╝mergemeinschaften ├Ąhnlich unabh├Ąngig, wie dies im umliegenden Stadtteil der Fall ist. Auf dieser Grundlage gelingt die Entflechtung der Interessen der Sondereigentumsfl├Ąchen Gewerbe und Wohnen. Hiervon w├╝rden alle profitieren:
  • Die Wohnungseigent├╝mer bek├Ąmen unabh├Ąngige Zug├Ąnge von ├Âffentlichen Fl├Ąchen. Die Haftung w├╝rde mit ├╝bersichtlicheren Eigent├╝mergemeinschaften begrenzt. Dringend erforderliche Instandhaltungsinvestitionen k├Ânnten angegangen werden.
  • Die Gewerbeeigent├╝mer bek├Ąmen Sondereigentumsfl├Ąchen die sie wirtschaftlich unabh├Ąngig entwickeln k├Ânnen.
  • Die Kommune bek├Ąme ein ├Âffentlich gewidmetes Wegesystem, mit dem Ihme-Zentrum, umliegender Stadtteil und Flussufer zusammenwachsen w├╝rden. Die Wiederbelebung der Gewerbefl├Ąchen w├╝rde erhebliche Steuereinnahmen generieren.

Wir gehen davon aus, dass die Neustrukturieren der Eigentumsordnung nur mit ├Âffentlicher Moderation und ggf. mit ├Âffentlich-rechtlichen Eingriffen m├Âglich ist.

Deshalb begr├╝├čen wir au├čerordentlich, dass die Stadtverwaltung Mittel des Bundesbauministerium eingeworben hat, um
  • die rechtlichen M├Âglichkeiten der Neustrukturierung nach Wohnungseigentumsrecht und Baugesetzbuch zu kl├Ąren,
  • ein ├Âffentlich gewidmetes Wegesystem herzustellen und rechtlich abzusichern,
  • die internen und externen Kommunikationsprozesse als Grundlage f├╝r eine Neuausrichtung zu moderieren.

Die AG Architektur und Stadtplanung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum steht im Austausch mit der derzernats├╝bergreifenden Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung.

Zusammenwachsen – Diskussionspapier

Die Arbeitsgruppe Planung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. macht sich Gedanken zu verschiedenen planerischen Aspekten des Ihme-Zentrums und seiner Einbindung in die Stadt.
Hier:

Wie das Ihme-Zentrum mit dem Stadtteil zusammenw├Ąchst

Der verwaiste Sockel des Ihme-Zentrums wird seine Neubestimmung durch das Zusammenwachsen mit dem umliegenden, vitalen Stadtteil erfahren. Daf├╝r m├╝ssen neue Bez├╝ge zum Stadtraum und dem Wegesystem des Stadtteils hergestellt werden:
  1. Die Gr├╝nverbindung zwischen F├Âssestra├če und Rampenstra├če muss ├╝ber den K├╝chengartenplatz hinweg an die Ihme verl├Ąngert werden. Dazu m├╝ssen keine Geb├Ąude abgerissen werden, sondern nur gro├če Belichtungs├Âffnungen im ungenutzten Platz des ehemaligen Einkaufszentrum hergestellt werden.
  2. Die wichtige Rad- und Fu├čwegverbindung von Linden Mitte ├╝ber die Gartenallee in die Calenberger Stra├če muss ├╝bersichtlich befahrbar und attraktiver werden.
  3. Der Radweg am Ihmeufer muss auch entlang des Ihme-Zentrum als Fernradweg nutzbar werden. Der Fu├čg├Ąngerweg muss vom Radweg so getrennt werden, dass er als angenehmer Uferweg nutzbar ist.
  4. Die Fassaden entlang der Blumenauer Stra├če und Spinnereistra├če m├╝ssen im Erdgeschoss identifizierbare Eing├Ąnge und Adressen bekommen. Die Nutzungen im Erdgeschoss (L├Ąden, B├╝ros, Werkst├Ątten) m├╝ssen auf die Stra├če ausstrahlen.
  5. Durch die Neuorganisation des Verkehrs am K├╝chengarten k├Ânnen bisherige Verkehrs- und Brachfl├Ąchen bebaut werden. Stra├čenprofile werden f├╝r Fu├čg├Ąnger ├╝berschaubar. Die Bebauung des Stadtteils w├Ąchst mit dem Ihme-Zentrum zusammen.

 

K├╝chengarten – Diskussionspapier

Die Arbeitsgruppe Planung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. macht sich Gedanken zu verschiedenen planerischen Aspekten des Ihme-Zentrums und seiner Einbindung in die Stadt.
Hier:

K├╝chengarten: Verkehrsprobleme und Stadtraum

Die Verkehrssituation auf dem K├╝chengarten ist f├╝r alle eine Zumutung:
  • Fu├čg├Ąnger und Radfahrer m├╝ssen bis zu 11 Ampelphasen abwarten bis sie die F├Âssestra├če ├╝berqueren k├Ânnen.
  • Bus- und Stra├čenbahnhaltestellen sind um den Platz verteilt. Wer umsteigen will, muss h├Ąufig an einer roten Ampel stehend zusehen, wie die Anschlussbahn davonf├Ąhrt.
  • Die Autofahrer m├╝ssen sich durch die Vorrangschaltung f├╝r die Stra├čenbahnen h├Ąufig lange gedulden.
Die Misere hat zwei Ursachen, die beide aus dem immer noch g├╝ltigen Verkehrskonzept von 1968 stammen:
  1. Die D-Linie (heute Linie 10) sollte unterirdisch in die Limmerstra├če einfahren. Die Tunnelstrecke wurde aus Kostengr├╝nden nie gebaut. Als Problem bleibt deshalb die Verschneidung der Stadtbahntrasse mit dem privaten Verkehr auf der Erdgeschossebene. Dies geschieht genau der Stelle, an der es f├╝r die Verkehrsorganisation am problematischsten ist.
  2. Im Zusammenhang mit dem Ihme-Zentrum sollten an der Elisenstra├če zwei Gro├čparkh├Ąuser gebaut werden. Deshalb wurde die Blumenauer Stra├če mit der Elisenstra├če verbunden. Die Parkh├Ąuser wurden nie gebaut. Die Verbindung ist ├╝berfl├╝ssig und verbraucht sehr viel Platz
Das Verkehrskonzept muss nach 50 Jahren ├╝berdacht werden. Dazu hat die Zukunftswerkstatt einen Vorschlag mit
folgenden Eckwerten vorgelegt:
  1. Die Fernradwegverbindungen, die aus Limmer, Davenstedt, Badenstedt, Ronnenberg aufeinandertreffen, sollen mit dem Ihme-Radweg verbunden werden und ├╝ber eine neue Br├╝cke auf den Goetheplatz und den Innenstadtring gef├╝hrt werden.
  2. Der Radweg entlang der Ihmeufers muss entlang des Ihme-Zentrums im selben Ausbaustandard wie entlang der ganzen Ihme hergestellt werden.
  3. Die Elisenstra├če muss wieder wie fr├╝her senkrecht auf die Spinnereistra├če gef├╝hrt werden.
  4. Die Verschneidung von privatem und ├Âffentlichem Verkehr wird aufgehoben. Der ├Âffentliche Verkehr wird auf die n├Ârdlichen Spuren, der private Verkehr auf die s├╝dlichen Spuren der F├Âssestra├če verlegt.
  5. Durch Aufstaur├Ąume wird die Ampelschaltung des Fu├čg├Ąnger├╝berweg F├Âssestra├če von den Abbiegespuren des PKW-Verkehrs der Kreuzung F├Âssestra├če/ Blumenauer Stra├če entkoppelt. Der Fu├čg├Ąnger├╝berweg wird so beschleunigt.
  6. Durch die Verbesserung der Verkehrsorganisation entsteht ein gro├čes Baugrundst├╝ck zwischen Limmerstra├če und Elisenstra├če. Das Grundst├╝ck ist bereits im ├Âffentlichen Besitz. Hier k├Ânnten ├╝ber 100 Wohnungen und erhebliche Gewerbefl├Ąchen geschaffen werden k├Ânnen.
Bestandteil des bisher vorgelegten Konzeptes war die Anordnung der Stadtbahnhaltestelle in der Spinnereistra├če als Verbindung von Linden-Nord und Ihme-Zentrum. Inzwischen hat die Region entschieden, dass der Hochbahnsteig K├╝chengarten am Ende der Limmerstra├če untergebracht wird. Nachvollziehbarer Grund ist, dass f├╝r steigende Fahrgastzahlen die Nutzung einer neuen Strecke ├╝ber die Blumenauer Stra├če mit Einfahrt in die Tunnelstrecken erm├Âglicht wird. F├╝r diese Streckenf├╝hrung ist die auch stadtr├Ąumlich wichtige Wiederherstellung der Verbindung von Limmerstra├če mit Blumenauer Stra├če erforderlich.
Das muss zum Anlass genommen werden, das Verkehrskonzept grunds├Ątzlich zu ├╝berdenken. Hannover formuliert ehrgeizige Ziele, um den Anteile von ├Âffentlichem Nahverkehr und Radverkehr in den kommenden Jahren erheblich zu steigern. Dazu passt es nicht, an einem 50 Jahre alten Verkehrskonzept weiterzubasteln, bei dem diese Verkehrsarten nicht einmal thematisiert wurden.
Nur wenn ├╝berfl├╝ssige Verkehrsfl├Ąchen aufgehoben werden, k├Ânnen sich Ihme-Zentrum und der Stadtteil Linden n├Ąher kommen und zusammenwachsen.
Die stadtr├Ąumlichen M├Âglichkeiten veranschaulicht ein kurzes Video ├╝ber die Masterarbeit von Albert Laqua an der Leibniz-Universit├Ąt.