Ja zum Fortschritt, nein zum Fortschritt um jeden Preis.

Seit Anbeginn unserer Initiative haben wir uns für das Ihme-Zentrum eingesetzt: für die Wiederbelebung des Sockelbereichs, für die Einbeziehung der „Stadt in der Stadt“ in den Stadtteil und für die Anerkennung als eine der größten Ikonen des Baustils „Beton brute“, aus dem Französischen unglücklich übersetzt als „Brutalismus“.

Daher sind wir froh darüber, dass die Projekt IZ Hannover GmbH (PIZ) konstruktive Schritte übernimmt, um den weiteren Verfall der Sockelstrukturen aufzuhalten. Dazu gehören die Übernahme der Konstruktionsakten, die Neuvermessung und die Betonsanierung. Auch die Abkehr vom alten Konzept der Einkaufspassage auf +1-Niveau und die Bereitschaft, einige Quadratmeter ihrer Eigentumsfläche für die gradlinigere Durchquerung von der Ida-Arenhold-Brücke zur Gartenallee herzugeben.

Da das aber alles nicht schnell genug voran geht, ist das konsequente vertragskonforme Vorgehen der Stadtverwaltung richtig. Als „gebranntes Kind“ hatte sie ja bei der letzten Mietvertragsverlängerung mit der PIZ Sanierungs- und Revitalisierungsfristen vereinbart, bei deren Nichteinhaltung Konventionalstrafen fällig werden. Da das investierende Unternehmen von Lars Windhorst nicht die Gebäudeanteile, sondern die besitzende GmbH kaufte, war klar, dass die PIZ samt ihrer bestehenden Verträge übernommen wurde.

Die neue Transparenz und Kooperation, die die neuen Eigentümer und die neue Verwal­tungsspitze versprochen haben, sind jedoch bislang ausgeblieben.

Die so genannten Kleineigentümer:innen von Gewerbebereichen im Ihme-Zentrum, in einer mühselig ausgehandelten Vereinbarung zwischen Wohnungseigentümer:innen und Gewerbe­großeigentümer PIZ mitgefangen/mitgehangen, wurden über viele Monate nicht über die Sanierungsplanungen der PIZ informiert, konnten also nicht nachvollziehen, geschweige denn mitbestimmen, wofür sie denn zahlen sollen. Die Wohnungs­eigen­tümer:innen wurden bisher nicht außerhalb des Beirats an der Planung beteiligt, obwohl Auswirkungen auf Gemein­schafts­flächen, Lärmemission und Zugänge zu erwarten sind. Wenn die Planung der Sanierung tat­sächlich bis zum Abschluss eines Rechtsstreits nicht vorangegangen wäre – so das vorgescho­bene Argument – dann sind die oben erwähnten Konventionalstrafen mehr als gerechtfertigt.

Auch die groß angekündigte Bürgerbeteiligung zu Fuß-und-Radweg-Durchwegung erwies sich eher als Maus denn als Elefant. Nach gut einem Jahr ohne Bürgerbeteiligung durften die Bürger:in­nen während zwei Wochen ihre Pros und Contras zu zwei relativ ähnlichen Alterna­tiven äußern – das war’s.

Hier kommen wir zur Rolle der Stadt Hannover. Die neue Verwaltungsspitze – hier namentlich Oberbürgermeister Onay und Baudezernent Vielhaber – lässt keine Transparenz und Bürger:in­nen­beteiligung erkennen. Die kaum stattgefundene Bürgerbeteiligung sollte herausragender Bestandteil des Leuchtturmprojekts sein, das deshalb der Stadt Bundes­gelder beschert hat.

Unsere Angebote zum Gespräch mit der Stadtverwaltung bleiben unbeantwortet. Die Dis­kus­sion am Runden Tisch oder im Bezirksrat um Verkehrskonzepte, die dem Grünen-Ziel der Ver­kehrsflächen-Umwidmung nahekommen und geeignet wären, Barrieren zwischen Stadtteilen und Ihme-Zentrum zu verringern, werden – von alten SPD-Seilschaften? – blockiert.

Dass die Stadt Hannover soziokulturelle Räume im Ihme-Zentrum verankern will, die Stadt­ver­waltung unter Belit Onay aber auch hierüber nicht mit der Zukunftswerkstatt redet, die auf Beschluss der Volksvertretung aus dem städtischen Etat eine Förderung für ihre Stadt­teil­kul­tur­arbeit erhält, ist ein weiteres Ärgernis.

Ärgerlich ist unterdessen auch, welche Neugestaltung die PIZ plant. Ist es auch richtig, in den rund 60.000 m² Gewerbefläche weniger Verkaufsfläche vorzusehen als früher, so ist die Planung mit „Premium-Parkplätzen“ im Herzen des Erdgeschosses bei gleichzeitig hunderten ungenutzten Parkplätzen in den Untergeschossen kaum als inspiriert und zukunftsgerichtet anzusehen. Die jüngst angebrachte Materialproben heller Klinker­ver­blen­dung lassen den Wunsch erkennen, ein herausragendes Beispiel des Beton brute in ein austauschbares Etwas zu verwandeln, während weltweit ein Hype um gute Brutalismus-Architektur entstanden ist. Der Komplex hat doch nicht umsonst sogar einen Punkt bei der Kulturhauptstadtbewerbung gespielt.

Ja, das Ihme-Zentrum ist groß. Genau deshalb braucht es auch Größe: große Ideen, Gestal­tungswillen, Transparenz, Kommunikation, Koordination. PIZ, Stadtverwaltung, Wohn­eigen­tümergemeinschaft (vertreten durch den Beirat) und Hausverwaltung lassen diese Größe leider missen – zum Nachteil der Stadt und der Bevölkerung.

Licht am Ende des Tunnels

Lange hat es gedauert. Dafür kommt es jetzt mit großer Intensität. Die Planungen für die Durchwegung von der Gartenallee über die Ida-Ahrenhold-Brücke zur Calenberger Neustadt gehen mit engem Zeitplan voran. Vom 29.06. bis zum 19.07.2020 haben Anwohner drei Wochen Zeit, um zu zwei Entwurfsvarianten Stellung zu nehmen. Das kann per Postkarte oder im Internet  geschehen. Wir rufen alle auf, ihre Anregungen, Wünsche, Vorstellungen aber auch ihre Bedenken in den Prozess einzubringen. Wir – insbesondere die AG Planung der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum – haben uns die Pläne genauer angesehen. Die Zukunftswerkstatt wurde auch während eines besonderen Termins über den Stand der Planung von Stadtplanungsamt, Hausverwaltung und Großeigentümer in Kenntnis gesetzt. Hier unsere Einschätzung:

Wir freuen uns, dass die Durchwegung gradlinig, teilweise breit und übersichtlich durch das Ihme-Zentrum geführt werden soll. Das Wegesystem der angrenzenden Stadtteile wird teilweise aufgenommen. Der Durchgang wird über Deckenöffnungen mit Tageslicht versorgt. Gelöst werden konnte eine komplizierte rechtliche Frage: Der Weg kann nicht nur öffentlich genutzt werden, sondern ist auch öffentlich gewidmet. Außerdem suggerieren die Planskizzen, dass der Weg nachts sehr gut beleuchtet werden soll.

Unsere prinzipielle Kritik an beiden vorgestellten Varianten ist, dass es sich nur um eine Variante mit zwei signifikant unterschiedlichen Designmerkmalen handelt: der eckige Rhombenentwurf und das runde Kreisdesign. In der planerischen Grundstruktur ähneln sich beide Entwürfe „wie ein Ei dem anderen.“

Diese planerische Grundstruktur weist deutliche Mängel auf: So werden die Chancen der hohen Publikumsfrequenz, die sich mit der Aufwertung der Durchwegung noch steigern wird, nicht genutzt. Das Ihme-Zentrum wurde im ursprünglichen Planungsansatz der 1960er Jahre um eine Etage nach oben verschoben. Damit wurde die Straßenebene zum Kellergeschoss – und diese Gestaltung zu einer Ursache der städtebaulich isolierten Insellösung. Den Fenstern und Eingängen der Wohn- und Gewerbebebauung an der Blumenauer Straße wurde ein Tiefgaragengeschoss gegenübergestellt.

Beide aktuell präsentierten Varianten der hoch frequentierten Durchwegung tragen wieder nicht dazu bei, das Ihme-Zentrum hinreichend in den Siedlungskontext einzubetten. Es handelt sich um eine Tunnellösung, die nur durch Nutzungen flankiert wird, die nicht in den städtebaulichen Kommunikationsbereich gehören, so dass keine städtebauliche Einbettung in den räumlichen Kommunikationszusammenhang erfolgt. Die angrenzenden Nutzungen sind: lange Brandwand, Fluchttreppenhäuser, Müll-Container, Garagenzugang und Fahrradabstellräume. In einem öffentlichen Straßenraum entwickelt sich durch Fenster, Eingangsbereiche sowie Läden, Cafés und Werkstätten , ein System der sozialen Anteilnahme und Verantwortlichkeit. Diese Qualitäten erreicht eine Brandwand nicht – egal ob sie mit Rauten oder Kreisen dekoriert wird.

Es besteht das Risiko, dass beide Varianten der Durchwegung wieder den Charakter eines Angstraums entwickeln, der sowohl Gender-Kriterien in der Stadtplanung als auch Kriterien der städtebaulichen Kriminalprävention nicht gerecht wird. Folgende Kritikpunkte spielen dabei eine Rolle:

  • Es findet keine natĂĽrliche soziale Kontrolle durch angelagerte Nutzungen (wie z.B. Kiosk, Läden, Gastronomie) statt.
  • Auf der Seite zur Gartenallee droht die trichterförmige Engstelle Konflikte zwischen Nutzerinnen und Nutzern auszulösen.
  • Der Ăśbergang ĂĽber die Gartenallee schlieĂźt sich nicht organisch an; auch hier ist eine Nutzungsverknotung zu befĂĽrchten.
  • In der Durchwegung fehlt eine ĂĽberzeugende Zonierung – d.h. es gibt keine ĂĽberzeugende Ordnung des Rad- und FuĂźverkehrs; vor der Ida-Ahrenhold-BrĂĽcke fehlt eine Zonierung fĂĽr eine gastronomische AuĂźenbewirtschaftung, von der aus natĂĽrliche soziale Kontrolle in die Durchwegung wirken kann, und eine Zonierung zur halböffentlichen Abstufung des Ăśbergangs vor dem benachbarten Hauseingang.

Wir machen folgende Vorschläge zur Verbesserung – dafür ist eine Erweiterung des Bearbeitungsbereiches notwendig:

  • Brandwände sind im Abstand von 40-50 m notwendig. Deshalb kann die Brandwand von der Nordwest-Fassade der Durchwegung auch 5-10 m nach innen verschoben werden. Damit bekommt die Fassade die Chance, dort Nutzungen anzulagern, die den Verkehrsraum beleben und fĂĽr Sicherheit sorgen.
  • Die Durchwegung soll sich möglichst weitgehend den Qualitäten einer StraĂźe annähern. Deshalb ist die FortfĂĽhrung der Gestaltung der neuen StraĂźenfassade an der Blumenauer StraĂźe in die Fassaden der Durchwegung naheliegend. Da im kurzen Planungszeitraum kein Nutzungskonzept entlang der Durchwegung entwickelt werden kann, gilt es, das parallele Dilemma – Fassade ohne Nutzung – zu lösen. Weshalb nicht auch hier auf die Lösung der Fassade in der Blumenauer StraĂźe zurĂĽckgreifen: Die Fassaden an der Durchwegung wird ebenfalls in regelmäßige Segmente aufgeteilt, in denen hinterher nach Nutzungsbedarf offene und geschlossene Elemente miteinander kombiniert werden können. Dazu ist eine Abtrennung von Flächen fĂĽr angelagerte Parkraum-Nutzungen erforderlich.
  • Ă–ffnung der Engstelle und Platzierung eines Kiosks o.ä., von dem aus natĂĽrliche soziale Kontrolle von der Seite der Gartenallee erfolgen kann.
  • Den Ăśbergang ĂĽber die Gartenallee organisch anschlieĂźen.
  • Konfliktmindernde Zonierung: Klare Trennung des Rad- und FuĂźverkehrs in der Durchwegung, Zone fĂĽr gastronomische AuĂźenbewirtschaftung vor der Ida-Ahrenhold-BrĂĽcke, gestalterische Schaffung eines halb-öffentlichen Ăśbergangs vor dem Hauseingang „Ihmepassage 2“ auf der Ostseite.

Ist das alles?

Nach zwei Jahren Stille ist ein Vertrag zwischen der Stadtver­waltung und dem Großeigentümer unterzeichnet worden. Selbstverständlich freuen wir uns sehr, dass an die Stelle des Provisoriums nun endlich eine ansprechende großzügige Durchwegung zwischen Gartenallee und Ida-Ahrenholt-Brücke treten wird.

Die Stadtverwaltung hat finanzielle Zusagen ĂĽber 2 Millionen Euro vom Bundesministerium zugesagt bekommen auch und gerade wegen eines BĂĽrgerbeteiligungskonzepts. Dabei hat sie auch von der Arbeit des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum profitiert, der bereits zweimal fĂĽr den Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreis nominiert wurde.

Aber zwei Jahre seit der großen Auftaktveranstaltung im Mai 2018 ist nichts passiert. Der Berg kreißte und gebar eine Maus: Auf der vom Mediationsbüro eingerich­teten Website findet man jetzt ein Zeitfenster von zweieinhalb Wochen für die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Echte Beteiligungsprozesse sehen anders aus. Da müssen wir nicht einmal in andere Städte gucken, wo es exzellente Beispiele gäbe. Wir erinnern uns an die Sanierungsgebiete Linden-Süd und Linden-Nord, an die Beteiligungsformate für die Neugestaltung des Steintors.

Auch wie und wann die Verwendung der Fördermittel für die Entwickling von Konzepte für sozio-kulturelle Nutzungen in Räumen des Ihme-Zentrums vorgesehen ist, steht in den Sternen.

Seit zwei Jahren gab es keine Gespräche mehr mit der Stadtspitze oder der Bauverwaltung mit der Zukunftswerkstatt, und auch ein Brief an den neuen Oberbürgermeister bleibt seit zwei Wochen unbeantwortet.

Da hilft es auch nicht, dass die Information auf der städtischen Website von Bannern für „Mein Hannover 2030 – jeden Tag eine gute Stadt“ und für die Kampagne „Kulturhauptstadt Hannover 2025“ flankiert wird.

Wir warten weiter auf den Dialog.

Wieder offen

Nach der Allgemeinverfügung des Landes Niedersachsen (Stand 5. Mai) kann unser Saal ab dem 11. Mai wieder genutzt werden, jedoch nur für geschlossene Veranstaltungen und mit max. 20 Personen. Die Miete beträgt für gemeinwohlorientierte Gruppen 60 € pro Veranstaltung, bei anderen Veranstaltern 100 €. Dies beinhaltet eine sorgfältige Reinigung aller Flächen nach jeder Nutzung nach den Regeln der Coronaverordnung durch den Vermieter und die Bereitstellung eines Beamers. Ein Gäste-WLAN steht zur Verfügung, damit bei Bedarf Externe per Videokonferenz, Skype, Zoom u.ä. zugeschaltet werden können.

FĂĽr Raumbuchungen wenden Sie sich bitte wie ĂĽblich an raum@zukunftswerkstatt.info.

Umbau des Ihme-Zentrums

Im südlichen Bereich der Blumenauer Straße ist Anfang April die Demontage von Fassadenverblendungen fortgesetzt worden und damit auch ein praktischer Schritt zur Neugestaltung des Sockelbereichs des Ihme-Zentrums  erkennbar. Auch das Baustellenschild an der Blumenauer Straße wurde erneuert.

Im Ihme-Zentrum selber tut sich baulich aber derzeit wenig. Immerhin waren schon mehrfach Pläne zur Neugestaltung der Fußweg/Radweg-Durchwegung (Gartenallee <> Calenberger Straße etc.) in den Medien, aber eine Information an die kleineren Eigentümer oder gar eine Bürgerbeteiligung hat bisher nicht stattgefunden. Wir hoffen zwar, dass die Aktivitäten trotz Corona weitergehen, es könnte aber auch zu weiteren Verzögerungen kommen.

Pläne für den weiteren Umbau der Basisebene oder für die zukünftige Nutzung des enercity-Büroturms sind derzeit nicht bekannt. Auch hier ist bisher keinerlei Bürgerbeteiligung zu spüren.

Für Schlagzeilen sorgte am Jahresanfang ein Beschlussantrag für die Eigentümerversammlung, wonach sich alle Gewerbeeigentümer (nicht nur der Großeigentümer) an den Kosten der Sanierung beteiligen sollen (ca. 50 Millionen Euro oder mehr), wobei die Trägergesellschaft der Zukunftswerkstatt, die Ihmeplatz 7E GmbH, mit zumindest 160.000 Euro beteiligt ist. Die Trägergesellschaft und der Verein arbeiten an einer Lösung des Problems.

Umbau der Zukunftswerkstatt

Zum Jahreswechsel wurde der Umbau des großen Saals erfolgreich umgesetzt. Nach weitgehendem Entfernen der Deckenverkleidung steht nun eine höhere Decke zur Verfügung, daraus resultierend eine bessere Akustik und mehr Platz für Präsentationen per Beamer etc.; wir haben dafür fast 13.000 Euro investiert. Daneben haben wir auch ein neues Schließsystem, das u.a. auch einen Zugang per PIN ermöglicht.

Dank an alle ehrenamtlich Beteiligten aus der Raum-AG, aber natürlich auch an die finanziell fördernde Stadt Hannover!

2019 fanden in unseren Räumen 242 Veranstaltungen mit ca. 6.500 Teilnehmer*innen statt. Ein besonderer Dank an unseren „Raummanager”, ohne den das nicht hätte bewältigt werden können.

Wir hoffen, unsere Räume nach Ende der epidemiebedingten Schließung wieder mit vielfältigem Leben füllen zu können.

Corona-Virus

Wir beobachten laufend die Empfehlungen von Stadt und Land zur Gefahrenlage. Zurzeit gilt die Empfehlung, alle Versammlungsorte zu schließen. Deshalb bleibt die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum geschlossen. Auch unsere Rundgänge setzen wir bis auf Weiteres aus.

Bitte beachten Sie die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen: häufiges gründliches Händewaschen, Begrüßungen ohne Umarmungen oder Handschlag, Abstand halten zu anderen Personen, Husten und Niesen in Taschentuch oder Armbeuge.
 

JahresrĂĽckblick 2018

Viel Licht, aber auch Schatten
Ein JahresrĂĽckblick auf unsere Vereinsarbeit

Viel Licht !

Wenn man bedenkt, dass unser Verein erst vor 2½ Jahren gegründet wurde und wir unsere Räume erst vor 1½ Jahren in Betrieb genommen haben, so kann sich die Bilanz des Jahres 2018 sehr gut sehen lassen:

  • Im Jahr 2018 haben mehr als 6.400 Menschen an 291 Terminen die Zukunftswerkstatt am Ihmeplatz besucht – im Mittel also 22 Personen pro Veranstaltung, von kleinen Arbeitsgruppen mit 5-6 Personen bis hin zu mit 180 Menschen ĂĽberfĂĽllten Räumen. 158 Veranstaltungen (54 %) fanden in Eigenregie statt, 53 (18 %) waren Kooperationsprojekte (die FederfĂĽhrung lag bei anderen Organisationen, wir waren Partner) und 80 (28 %) waren eigenständige Veranstaltungen Dritter und wir die Vermieter. Dank insbesondere an Lucy Winkler und Manfred Hinz fĂĽr deren unermĂĽdliche Arbeit beim Raum- und Veranstaltungsmanagement! Und ein Dank an alle Mieter und Projektpartner, ins-besondere auch an die Kulturverwaltung der Stadt fĂĽr die sehr gute Zusammenarbeit! Lucy hat ihre Tätigkeit zu Ende 2018 beendet und wir mĂĽssen sehen, wie es mit dem „Kultur-Eventmanagement“ weitergeht (Tina Stolz hat kurzfristig eine Stelle an einer Schule bekommen und fällt fĂĽr diese Funktion aus.)
  • Beim Projekt ihmezentrum#2025 wurden bei sieben Veranstaltungen mit ĂĽberregional kompetenten Referent*innen und einem Wettbewerb von Architekturstudent*innen eine Vielzahl von faszi-nierenden Ideen entwickelt, wie das Ihme-Zentrum bis zum Jahr 2025 nachhaltig revitalisiert werden und es zu einem Leuchtturm einer Europäischen Kulturhauptstadt Hannover werden könnte. Dank insbesondere an die Kulturverwaltung fĂĽr die finanzielle UnterstĂĽtzung, an Costa Alexander fĂĽr die Konzeptentwicklung und Mittelakquise und an ihn und Gerd Runge fĂĽr die Koordination der Veranstaltungen und die Redaktion der Dokumentation BrutalSchön.
  • Erfolgreich war auch das Projekt „Probebetrieb eines Soziokulturellen Zentrums“, bei dem wir mit finanzieller UnterstĂĽtzung der Region Hannover (aus Landesmitteln), des Bezirksrates Linden/­Limmer und der Sparkasse Hannover bei ca. 20 Veranstaltungen ausprobieren konnten, welche Formate sich fĂĽr uns besonders eignen und wie wir die soziokulturelle Arbeit in den nächsten Jahren weiterentwickeln. Dank an die Region Hannover, die Sparkasse und den Bezirksrat fĂĽr die finanzielle UnterstĂĽtzung und insbesondere an Jan-Philippe LĂĽcke fĂĽr dessen groĂźen Einsatz bei diesem Projekt.
  • Mit 21.700 € Baukosten konnten wir unsere Räume endlich völlig barrierefrei herrichten, in dem jetzt auch eine behindertengerechte Toilette vorhanden ist. Dank an das Nds. Ministerium fĂĽr Wissenschaft und Kunst fĂĽr 14.200 € Zuschuss, an den Architekten Ekkehard StĂĽckemann, der sich eh-renamtlich engagiert hat und an die Mitglieder unserer Raum-AG.
  • AuĂźerdem konnten wir fĂĽr ca. 4.000 € weitere Anschaffungen machen (Tische, Bilderrahmen fĂĽr Ausstellungen, usw.).
  • Trotz der erheblichen Investitionen schlieĂźt der Finanzhaushalt 2018 des Vereins bei ca. 75.000 € Jahresumsatz (und ca. 360 Buchungen in der Buchhaltung) mit einem (geringen) Plus ab.
  • Die Klageandrohung der WohnungseigentĂĽmergemeinschaft, dass wir unsere Räume nicht fĂĽr Veranstaltungen
    nutzen dĂĽrfen, wird von der WEG nicht weiterverfolgt.
  • Wir haben jetzt einen eigenen Internetauftritt www.ihmezentrum.info, in dem kontinuierlich ĂĽber
    die Aktivitäten des Vereins und unsere Veranstaltungen berichtet wird. Dank an die Kommunikations-
    AG für die Arbeit. Dadurch sind wir vom Auftritt www.ihmezentrum.org unabhängig. (Constantin
    Alexander hat die Betreuung fĂĽr diesen Netzauftritt inzwischen an eine andere Person abgegeben.)
  • Unsere Arbeit hat in den nächsten Jahren eine sichere Basisfinanzierung. Da es in 2019 nicht wieder
    so hohe Förderungen von speziellen Projekten geben wird, hat eine besondere Bedeutung, dass der
    Rat der Landeshauptstadt vor kurzem beschlossen hat, uns zukünftig statt mit den bisherigen 8.000 €
    Projektzuschuss jährlich mit 15.000 € „institutionell“ zu fördern. Dank an die Mehrheitsfraktionen
    GRĂśNE, SPD und FDP fĂĽr diesen Ă„nderungsantrag zum von der Verwaltung vorgelegten Haushaltsentwurf
    2019/­2020 und die dadurch zum Ausdruck kommende Anerkennung unserer Arbeit.
  • Wir sind Kooperationspartner der „Gesellschaft fĂĽr AuĂźergewöhnliche Zusammenarbeit“, die beim
    Wettbewerb des Bundesbauministeriums „Neue Wege der Quartiersentwicklung“ für die nächsten
    drei Jahre Finanzmittel für eine „Stadtentwicklung von Unten“ erhalten hat. Mehr Infos dazu hier.
  • Auch wenn das nicht Erfolg unserer Arbeit ist, so wollen wir hier positiv wĂĽrdigen, dass die Stadt
    Hannover mit den Rahmenvereinbarungen zu ihrer 20-Jahres-Mietvertragverlängerung für die Büronutzung
    einen wichtigen Impuls gegeben hat, dass es im Ihme-Zentrum ĂĽberhaupt weitergeht.
  • Mit ca. 20 ehrenamtlich Aktiven haben wir im Verhältnis zu Vereinen eine recht gute Beteiligungsquote.

Aber es gibt auch Schatten!

Die Sanierung des Ihme-Zentrums ist in 2018 baulich keinen Schritt weitergekommen, und wir haben den Eindruck, dass der Großeigentümer INTOWN immer nur das Mindestnotwendige macht. INTOWN und das Baudezernat der Stadt ignorierten unseren Verein in 2018 vollständig. Keiner unserer Briefe wurde beantwortet und keine Anregung positiv aufgenommen. Das vor mehr als einem Jahr in Auftrag gegebene Gutachten u.a. zu den städtebaurechtlichen Möglichkeiten die Revitalisierung der Sockelgeschosse des Zentrums voranzubringen, wird von der Stadtverwaltung geheimgehalten.

Die wichtige öffentliche Wegeverbindung durch das Zentrum, für die 3,0 Mio. € Fördergelder zur Verfügung stehen, kommt nicht voran und in der von OB Schostok groß angekündigten Bürgerbeteiligung wurden bisher keinerlei Fakten geliefert. Es besteht die Gefahr, dass das Projekt scheitert.

Wir erreichen noch zu wenig Menschen im Ihme-Zentrum. Zwar sind fast 30 Bewohner*innen Mitglied im Verein, doch die vielen Veranstaltungen, die wir machen, erreichen zwar viele Einwohner*innen aus der Stadt, doch zu wenig im Zentrum wohnende Menschen. Der wöchentliche Bewohnertreff wird daher eingestellt und in 2019 versuchen wir neue Formate, um mehr Bewohner*innen zu erreichen. Wegen Wegzug von Hannover, anderen Arbeitsschwerpunkten und nach einer Auseinandersetzung, ob auch Makler Mitglied in unserem Verein werden können (eine große Mehrheit sprach sich auf einer Mitgliederversammlung dafür aus) haben in 2018 acht Mitglieder den Verein verlassen. Fünf sind im gleichen Zeitraum neu eingetreten, sodass der Verein jetzt 83 Mitglieder hat.

Wir brauchen mehr Aktive! Insbesondere die Kommunikations-AG und die Bewohner-AG brauchen dringend Verstärkung. Und wenn man bedenkt, dass ca. 20 Kulturschaffende und -interessierte Mitglieder in unserem Verein sind, so ist die Beteiligung an der Kultur-AG auch recht mager. Also: Macht mit!

AbschlieĂźend einen herzlichen Dank an alle Mitglieder, Firmensponsoren, Kooperationspartner, die Hausverwaltung,
die Rats- und Bezirksratsmitglieder und die Stadtverwaltungsmitarbeiter*innen, die uns wohl gesonnen sind, fĂĽr ihre UnterstĂĽtzung!!!!!!

Mit herzlichen GrĂĽĂźen und allen guten WĂĽnschen fĂĽr das Jahr 2019
der Vereinsvorstand

Stillstand im Ihme-Zentrum – Zukunftswerkstatt zieht Jahresbilanz

Vor weit über einem Jahr freute sich die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum mit Oberbürgermeister und Rat der Landeshauptstadt über die 2 Mio. € Fördergelder des Bundesbauministeriums für das Ihme-Zentrum und der Rat stockte die Mittel um 1 Mio. € auf. Die Fördergelder sollten für fünf Bausteine ausgegeben werden, um Schwung in die Revitalisierung des Ihme-Zentrums zu bringen.
Die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum e.V. zieht jetzt eine ernüchternde Bilanz der bisherigen Aktivitäten der
städtischen Bauverwaltung in dieser Angelegenheit. Außerdem bieten die sichtbaren Aktivitäten von Großeigentümer Intown aus Sicht des Vereins wenig Anlass zu Optimismus. Die Bilanz der Zukunftswerkstatt im Einzelnen:

Aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse im Ihme-Zentrum ist ein transparenter Kommunikationsprozess
von zentraler Bedeutung für Verbesserungen. Eigentümer, Mieter, Anwohner und Stadtteilöffentlichkeit müssen einbezogen werden. Nach über einem Jahr ist weder für die interne noch externe Kommunikation ein Konzept erkennbar. Sämtliche Kooperationsangebote der Zukunftswerkstatt im Jahr 2018 wurden von der Bauverwaltung der Landeshauptstadt nicht beantwortet. Deshalb kursieren weiter nur Fragen und Mutmaßungen über den Stand der Umsetzung der Bestandteile der Förderung:

  • Wie weit ist die Planung der BaumaĂźnahmen fĂĽr einen öffentlichen FuĂź- und Fahrradweg zwischen
    Linden-Mitte und der Calenberger Neustadt? Diese Durchwegung wurde zum Tag der Städtebauförderung
    am 05.05.2018, also vor mehr als einem halben Jahr, vom OberbĂĽrgermeister breit vorgestellt.
    Doch noch heute sind alle konkreten Fragen unbeantwortet: Wer wird Bauherr? Ăśbernimmt die Stadt das
    Baukostenrisiko und die Betriebskosten? Wann ist Baubeginn und wann soll die Maßnahme abgeschlossen sein, damit die Fördergelder des Bundes nicht verfallen?
  • Bestandteil der Förderung ist ein Rechtsgutachten, das geeignete Ansatzpunkte im Wohnungseigentumsrecht,
    im Städtebaurecht und Ordnungsrecht im Rahmen der bestehenden sehr komplizierten Eigentumsverhältnisse
    und fĂĽr eine Neuordnung der Eigentumsstruktur aufzeigen sollte.
    Gerd Runge, Vorstandsmitglied des Vereins Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum und Architekt: „Welche
    Ergebnisse hat das schon vor mehr als einem Jahr von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten gebracht? Das soeben ergangene Urteil des OLG Celle, bei dem ein einzelner Wohnungseigentümer des Bredero-Hochhaus Umbauarbeiten gestoppt hat, zeigt deutlich, dass es dringend erforderlich ist, auch städtebaurechtliche Maßnahmen zu prüfen, damit nicht ein einzelner der 530 Wohnungseigentümer die Revitalisierung des Ihme-Zentrums blockieren kann.“
  • Bestandteil der Bundesförderung ist auĂźerdem, zusätzliche Räume fĂĽr soziokulturelle Zwecke im Ihme-Zentrum bereitzustellen. Das könnte ein erster Baustein dafĂĽr sein, das Ihme-Zentrum als Leuchtturm beim Projekt Europäische Kulturhauptstadt einzubauen. Welches Konzept hat die Stadt fĂĽr die soziokulturellen Räume? Wo sollen sie geschaffen werden und wer wird Betreiber?
    Gerd Runge fasst zusammen: „Alle Versprechen der Stadtverwaltung, die Sanierung des Ihme-Zentrums
    mit dem nötigen Nachdruck voranzutreiben, werden bisher nicht eingelöst. Die Bundesbauministeriumsmittel
    sind an Terminvorgaben geknüpft und die Mittel verfallen, wenn die Zeitpläne nicht eingehalten
    werden.“

Außerdem bieten die sichtbaren Aktivitäten von Großeigentümer Intown wenig Anlass zu Optimismus und Intown verweigert zudem alle Informationen und Kooperationsangebote der Zukunftswerkstatt:

  • Seit Januar 2018 liegt die Baugenehmigung vor und somit sind seit fast einem Jahr umsetzungsreife
    Unterlagen fĂĽr die Fassadensanierung vorhanden. AuĂźer zwei seit Monaten ungenutzten BaugerĂĽsten ist
    jedoch nichts passiert. Die aus Vereinsmitgliedern bestehende GmbH, die Eigentümerin eines weitgehend vollständigen Satzes der Statikakten des Ihme-Zentrums (ca. 200 Aktenordner) ist, hat Intown angeboten, diese für die Sanierungsplanung zur Verfügung zu stellen. Obwohl das beauftragte Planungsbüro großes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundete, da sich dadurch der Planungsaufwand relevant verringern würde, gab es von Intown keinerlei Reaktion auf dieses Hilfsangebot.
    Helmut Drewes, Geschäftsführer der GmbH und selber Statiker: „Das macht den Eindruck, dass Intown
    über kosmetische Eingriffe an der Fassade entlang der Blumenauer Straße hinaus gar keine Pläne hat,
    die Sockelgeschosse des Ihme-Zentrums vollständig zu sanieren.“
  • Die Zukunftswerkstatt hat im Rahmen eines Projektes #ihmezentrum2025 u.a. in einem aufwändigen Wettbewerb mit Architekturstudenten umfangreiche Konzepte zur Revitalisierung des Ihme-Zentrums erarbeitet und veröffentlicht. Weder Intown noch der Stadtbaurat haben auf die ihnen zugesandten Unterlagen mit einem einzigen Wort reagiert.

Zusammenfassend der Vereinsvorsitzende Detlef Reuleke: „Der Großeigentümer Intown muss endlich konkrete Planungen zum Abbau des Sanierungsstaus im Ihme-Zentrum liefern. Wir haben den Eindruck, dass Intown immer nur so viel macht wie zwingend notwendig und ansonsten nur maximale Rendite aus dem Objekt herauszieht.“